Bob Dylan: Modern Times – as dull as Charlie Chaplin’s

Kennst du die Geschichte von diesem Forscher, der aus Gen-Fragmenten einen Dinosaurier bastelte? Er machte einen Vergnügungspark auf, in dem man die Viecher beobachten konnte, bis sie eines Tages aggressiv wurden … Die Details gibt es im Kino. – Oder kennst du die Geschichte von dieser dicken Frau, die dann doch noch einen netten Freund kriegte? Kannst du auch im Kino sehen. – Man muss in einem Satz sagen können, worum es in einem Film geht, meint Hollywood. Pantalone findet: Wenn du etwas in einem Satz sagen kannst, sag’s in einem Satz …
Pantalone liebt eher die komplexeren Filme, zum Beispiel „Thank you for Smoking“, die wirklich beissende Satire, die jetzt in unseren Kinos ist. Natürlich kannst du auch darüber einen Satz sagen: Tabaklobbyist setzt sich durch. Oder: Ein Regisseur schafft es, die Lobbyisten von Tabak, Alkohol und Schusswaffen als sympathische Menschen zu zeigen. Oder: Alles ist relativ. Es gibt viele verlockende Sätze, die man über diesen Film sagen kann, aber der Film ist immer anders. Und das mag Pantalone.
Über welches Thema schreibst du? fragen die Leute. Glücklich, wer antworten kann: über Napoleon, über Mata Hari, über Bundesrat Ogi, über die Freiheit, über Stonehenge, über die Dampfmaschine, über den 11. September. Obwohl: Bücher über die Erfinderin der Wäscheklammer, über einen unbekannten Menschen mit einem unerhörten Geruchsorgan oder über Hans im Glück können spannender sein. Am spannendsten aber findet Pantalone Bücher, bei denen man gar nicht so recht sagen kann, wovon sie handeln.
Wenn ich eine Botschaft habe, schicke ich ein Telegramm (der Satz wird allen berühmten Regisseuren von Cecil B. DeMille, bis Woody Allen oder Roman Polanski zugesprochen). – Was will uns der Dichter sagen? fragte früher der Deutschlehrer. Der gute Dichter weiss es selber nicht, antwortet Pantalone. Das Thema ist nicht mehr und nicht weniger als ein Schreibvorwand. Es ist im Prinzip beliebig, einzige Bedingung: es muss deine Phantasie zum Funkeln bringen. – Bei Themen, die das ganz grosse Interesse des Publikums wecken, ist ganz grosse Vorsicht angesagt. Die Texte, die dahinter stecken, könnten stinklangweilig sein und alle Erwartungen enttäuschen.
Was soll zum Beispiel der Titel dieses Beitrags? – Namedropping und Provokation (Charlie Chaplin kommt bei Google auf knapp 5 Mio. Einträge, Bob Dylan auf fast 50 Millionen). Pantalone möchte ein paar Leserinnen und Leser anlocken. Damit könnte er vielleicht bei Technorati aus dem Feld der Blogs of Any Authority ausbrechen und ins Feld der Blogs of Little Authority aufsteigen. Hey Bob, hey Charlie, sorry! – I love Modern Times, Charlie’s  and Bob’s. Dylan’s new album is pure pantalonism, an old man dares make music like an old man. – Auch Heiri Müller traut sich, Musik zu machen, wie ein alter Mann, aber er kommt bei Google nur auf 821 Einträge. Auch Heiri ist ausgesprochen pantalonisch (60 und immer noch jeden Freitag verliebt, Gratis-MP3 bei Blick), aber trotzdem ist Heiri kein Thema für Pantalone.
Hey Bob, hey Charlie, hey Heiri? Sauer? – Ihr könnt ja einen Kommentar schreiben.

3 Gedanken zu „Bob Dylan: Modern Times – as dull as Charlie Chaplin’s“

  1. Auch ich geniesse lieber die Filme, die mich zum Denken anregen und mir anregende Diskussionsstunden mit Lelio, Pantalone und dem Dottore bescheren. Ich habe ein schönes Zitat von Marjorie Rosen:

    „Does Art Reflect Life? In Movies, Yes. Because More Than Any Other Art Form, Films Have Been A Mirror Held Up To Society’s Porous Face.“

    Filmemacher, die in ihren Filmen unser Leben reflektieren und uns die Geschehnisse um uns herum, in einem unterhaltsamen Film liefern können, sind mit einem grossen Talent gesegnet. Denn uns irgendwelche Geschichten über Aliens aufzutischen ist nicht schwer, wir haben ja nicht allzu viele Vergleichsmöglichkeiten. Aber uns zu fesseln und unsere Fantasie anzuregen mit ganz alltäglichen Sachen (z.B.: dem Zähne putzen oder eben mit dem ewige Krieg: Nichtraucher gegen Raucher), dass ist wahres Talent. Einen 1-Satz Film kann ich mir nach einem harten Arbeitstag am Fernseher anschauen, um mich noch ein bisschen in den Schlaf zu wiegen, dafür gehe ich nicht in eine überteuertes Kino.

    Der kommenden Verfilmung „Das Parfüm“ stehe ich kritisch gegenüber, denn das Buch ist auch noch 21 Jahre nach seinem Erscheinen ein unglaubliches Erlebnis der Sinne (vor allem für die Nase). Aber ich habe die Hoffnung, wieder einmal eines besseren belehrt zu werden, wie es auch schon Peter Jackson mit seiner tollen „Lord Of The Rings“-Trilogie geschafft hat, noch nicht aufgegeben.

    Nun, um diesen Eintrag google-würdig zu machen, werde ich diesen Eintrag mit einem Google Volltreffer (mit unglaublichen 90 Mio. Einträge) beenden.

    PARIS HILTON …..

  2. Sehr befremdlich finde ich übrigens, dass auch Oskar Freysinger ein Dylan-Fan zu sein scheint – deklarierte er im Tagesgespräch auf DRS1! – Aber da kann ja Dylan wirklich nichts dafür, oder?

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