Boris Akunin: Der Magier von Moskau.

 

Der Magier von Moskau

 

Pantalone hat das Buch gern und schnell gelesen. Es hat ihn natürlich sehr gefreut, dass Colombina drin vorkommt, Pierrot und Arlecchino und ein extrem lüsterner Pantalone, der sich allerdings ganz unbescheiden Prospero nennt. Das Buch ist weniger raffiniert als andere Akunin-Titel (z.B. Die Bibliothek des Zaren), aber es ist auch ganz schön raffiniert, und manchmal ist ja weniger mehr.

Die Geschichte spielt in Moskau im Jahr 1900: Im Zentrum steht der Selbstmörderclub, die „Liebhaber des Todes“, angeführt von einem alten, extrem pantalonischen Mann der siebzehn Jahre in Festungshaft sass und während dieser Zeit drei Selbsmordversuche unternahm. Akunin erzählt auf drei Ebenen: Es gibt das Tagebuch der „Colombina“, einer naiven, aber unternehmungslustigen Schönheit vom Land, die in den Sog des Selbstmörderclubs gerät. Es gibt die Berichte eines Polizei-Agenten, der in den Club eingedrungen ist, und es gibt Zeitungsberichte. Diese Erzählanlage erlaubt es Akunin, hemmungslos in verschiedenen Stilen der Zeit zu schwelgen. Akunin brilliert hier weniger mit historischen Fakten, als dadurch, dass er mit Erzählmotiven der Jahrhundertwende spielt und mit sprachlichen Mitteln eine historische Atmosphäre erzeugt. Das gefällt Pantalone sehr gut. Der Plot des Buches ist überspannt, aber auch das ist wahrscheinlich historisch stimmig. Etwas dichter und kürzer dürfte der Text allerdings sein.

Boris Akunin: Der Magier von Moskau. Fandorin ermittelt
Broschiert: 304 Seiten
Aufbau Tb; Auflage: 1 (Mai 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN: 3746617685

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7 Gedanken zu „Boris Akunin: Der Magier von Moskau.“

  1. Ich kann mich dem nur anschliessen. Colombinas Haustiernatter Luzifer hat es mir besonders angetan. Mit ihren warmen schwarzen Äuglein hat sie sich einen Platz in meinem Herzen gesichert und das trotz ausgeprägter Schlangenphobie meinerseits.

  2. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich in Russland den Moment erleben werde, wenn es zu ethnischen Säuberungen kommt“, so Boris Akunin, der eigentlich Georgier ist und im Moment die Säuberungswelle gegen seine Landsleute am eigenen Leib erfährt. Dein Verweis auf Akunin erhält leider eine ungewollte Aktualität.

  3. Vielen Dank für den Hinweis. Unsere grossen Nachbarn im Osten kultivieren eine befremdliche Haltung zum Thema Menschenrechte. Im Kommentar heisst es, Akunin würde sich selten zu politischen Themen äussern. Ich finde seine Krimis sehr politisch. Ich finde, sie vermitteln einen guten Einblick in die Geschichte und Gegenwart Russlands. – Zum Glück gibt es Echo der Zeit und zum Glück gibt es Podcasts. Was ein echtere News-Junkie ist, kann doch nicht nur von M.M. (ohne Link, sonst steigt er in der Technorati-Skala noch höher) leben.

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