Die Bücher entstehen aus dem Literaturbetrieb

Gestern las Pantalone, das menschliche Hirn bestehe aus Zentren, die durch eine astronomische Zahl (vgl. heute überall publizierte Karte unserer Galaxie) von Verbindungen miteinander vernetzt seien.

Er las es bei Richard M. Restak: Mozart’s Brain and the Fighter Pilot: Unleashing Your Brain’s Potential. Restak findet, und er scheint damit nicht allein zu sein, dass die Vernetzung das Entscheidende sei, nicht die vernetzten Zentren. Die Struktur, nicht der Inhalt. INHALT ist nur Information, VERNETZUNG ist Wissen und letztlich sogar Weisheit.

Das gab Pantalone wieder einmal zu denken: Vor lauter Netz scheint der Inhalt zu entstehen. Und nicht vor lauter Inhalt das Netz. Pantalone fragt sich, wo denn die Begriffe sind, ohne die man ja nichts begreifen kann? Sind sie vernetzte Punkte? Wie sieht ein Begriffspunkt aus? Wie ein Begriffspixel?

Pantalone denkt daran, dass der Wohlstand merkwürdigerweise nicht aus der Nahrungsmittelproduktion sondern erst durch die Logistik entsteht. Und er erinnert sich an jenen schauerlichen Moment, als er erkannte, dass die Zahl der Texte mit tausend Zeichen endlich ist. Es sind etwa 1000 hoch 30 Texte. Das ist zugegebenermassen viel. Aber es ist nicht unendlich. Und in diesen 1000 hoch 30 Texten ist jeder Tatbestand, der sich mit 1000 Zeichen beschreiben lässt, enthalten, alle historischen und künftigen Ereignisse, alles Reale und alles Denkbare. Das ist also eine Struktur, die alle möglichen Inhalte enthält. Gibt es einen Inhalt, der alle möglichen Strukturen enthält? Die Struktur scheint dem Inhalt tatsächlich übergeordnet zu sein.

Schwierig. Zugegeben. In 1000 Zeichen kaum zu beschreiben. Aber es hilft Pantalone, mit Restak mitzudenken. Einfach immer schön assoziieren, sagt Restak, das hält das Hirn jung. Okay: Wie merkt man sich Restak? – Man hängt’s an die KATSE und liest es R-ückwärts.

Aber das eigentliche Aha-Erlebnis hatte Pantalone am Abend: Er war eingeladen ins Basler Literaturhaus, es trafen sich auf Initiative der neuen Leiterin Katrin Eckert die einheimischen LiteratInnen. – Gute Idee, danke! – Grosse Namen waren da (Jürg Laederach) und grosse Menschen (Wolfgang Bortlik) und mittlere und kleinere. Und viel Literaturbetrieb. (Obwohl andererseits auch wieder viele fehlten!) Worauf Pantalone hinaus will: Da sind Bücher, da sind Menschen und da ist ein Literaturbetrieb. Den BETRIEB haben wir gespürt, die MENSCHEN haben wir teilweise ein wenig kennen gelernt, aber die BÜCHER kennen wir nicht.

Wir dachten, der Literaturbetrieb entstehe aus den Büchern (und aus ihren [grossartigen] Inhalten), aber es ist umgekehrt, die Bücher entstehen aus dem Literaturbetrieb. – Es schleckt’s keine Geiss weg, Pantalone ist jetzt fast überzeugt: Der Inhalt entsteht aus der Struktur …

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