Die grossi Sunnegöttin

 
Wieder einmal etwas Poetisches. Seit Aristoteles herrscht bei uns die Ansicht, Humor eigne sich nur zur Dastellung der minderen Themen (Komödie) und Gewichtiges müsse mit Tiefsinn behandelt werden (Tragödie). Eigenartigerweise sehen die Engländer das anders. Pantalone denkt zum Beispiel an Monty Python oder an Little Britain, wo er regelmässig über tiefernste Themen Tränen lacht. John Wrights Buch Why is that so funny? geht diesen Fragen auf den Grund. Pantalone ist begeistert davon und präsentiert hier als kleines Lockvögelchen seine baseldeutsche übersetzung eines Textes von John Wright, der von einem japanischen Text aus dem 8. Jahrhundert vor Christus inspiriert ist, dem Kojiki. Das Kojiki ist übrigens fast 400 Jahre älter als die Poetik des Aristoteles.  

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Die grossi Sunnegöttin

het mit ihrem Brueder g’händled.
Si isch saumässig hässig
und versteckt sich sich innere dunkle Höhli.
Si schmollt still vor sich ane.

D Wält versinkt in Dunkelheit.

Do versammle sich die andere Götter
im dämmerige Schiin
vor em Iigang vo der Höhli
und si rede uf d Sunnegöttin ine
si söll doch wider useko.

Ei jungi Göttin regt sich
ganz bsunders uf im Dunkle.
Si nimmt än alte Brunnetrog
wo vor der Höhli ligt
und drüllt en um
und macht so e kleini Bühni.

Si stoht druf und si stampft druf.

Die andere Götter höre dä Lärme.
und kömme go luege, was los isch.
Do fangt die jungi Göttin aa stämpfle
und trötzle wie ne kleins Kind.

Si lacht
und die andere lache au,
und alli wänn mehr.

Immer mehr Götter kömme
und stöhn um si umme und luege
wie si schreit und stampft
und schüümt vor Wuet.

Si lacht
und die andere lache au,
und alli wänn mehr.

Si stampft und stampft
und us däm Stampfe wird
ä verruckts kleins Tänzli.

Si lacht
und die andere lache au,
und alli wänn mehr.

Ihre Tanz wird jetzt
zart und grazil.
Und sie macht
eleganti fiini Gümppli.

Si lacht
und die andere lache au,
und alli wänn mehr.

Und jetzt tanzt sie ebitz langsamer
und ihr Lächle wird verspielt und kokett.

Und je mehr si tanzt
desto mehr lacht si.
Und die andere lache au,
und alli wänn mehr.

Do macht si ihre Kimono uf
und loht s Siidetuech aberutsche.

Und si lacht
und die andere lache au,
und alli wänn mehr.

Dr Kimono fallt uffe Bode
und si wiegt ihre Körper hin und här.
Und stolziert umenand und stampft
und tanzt und gumpt.

Und si lacht
und die andere lache au,
und alli wänn mehr.

Di jungi Göttin striichlet ihre Körper
und die andere Götter fön a grööle.

Und si lacht
und die andere lache au,
und alli wänn mehr.

Si stampft und ginggt
und si haut sich sälber.

Und si risst sich ihri
Bruschtwarzen use
und hebt si wiit uffe in d Luft
dass si alle gseht und
s Bluet lauft an ihrne Ärm abe.

Und si lacht
und die andere lachen au
und si gröölen und grööle und grööle …

Tief unden in der Höhli
ghört die schmollendi Sunnegöttin
das Grööle.

Und vor luuter Angscht,
si könnt öppis verpasse,
schiesst si us der Höhli

Und d Wält isch wider häll belüchtet.

Es sei darauf hingewiesen, dass der alte japanische Text (resp. die englische Übersetzung desselben) ziemlich anders tönt, als das, was Wright daraus gemacht hat. Streng philologisch gesehen ist das problematisch, aber Pantalone findet das Resultat trotzdem gut.

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