Die Musik braucht die Schule nicht

Es mag paradox klingen, aber für die Jugend ist die Musik so wichtig, dass sie es nicht erträgt, wenn die Schule sich anschickt, die Musik für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Das ist die Krise der Schulmusik.

Gestern war Pantalone in der Trotte. Es ging um die Initiative «jugend + musik» und es ging um Paul Kurrus, der diese Initiative lanciert hat, und der im Oktober wieder in den Nationalrat gewählt werden will. Pantalone ging skeptisch an den Anlass: Musik ist so ein Allerweltsthema, wer hat denn etwas gegen Musik?

Aber der Abend war gut: Paul Kurrus hat bewiesen, dass er sich bescheiden zurückhalten und den Experten den Vortritt lassen kann, Anina Weber, der SP Shooting Star aus Münchenstein bewies ebenfalls Bescheidenheit. Und die Arleser FDP hat gezeigt, dass sie nicht nur aus Geld-, sondern auch aus Bildungsbürgern (positiv gemeint!) besteht, hoffentlich ein Omen für die bevorstehenden Gemeindewahlen.

Es gab Harfenmusik, schön, fein, aber auch ein wenig neckisch und stachlig. Pantalone wurde es warm ums Herz. Es gefiel ihm, denn schliesslich ist er überzeugt, dass die Musik die Grundlage jeder Poesie ist.

Schön auch, dass es diese Initiative gibt, und dass wir in den nächsten Monaten weiter über Musik diskutieren werden. Niemand ist gegen Musik, solange es nicht an die Resourcen geht, ans Geld und an die Zeit.

Zum Beispiel an die Schulzeit. Der Musikunterricht an den Schulen wird marginalisiert, ihr Gewicht in der LehrerInnenausbildung nimmt ab. Hector Herzig, der Präsident des Verbandes Musikschulen Schweiz, liess sich zur Aussage hinreissen, bei dieser mangelnden Musikerziehung müsse man sich nicht wundern, wenn die pubertierende Jugend „keine Affinität zur Musik“ habe.

Da musste sich Pantalone eine kleine Intervention gestatten: In keinem Lebensalter ist die Affinität zur Musik grösser als in der Pubertät. Die Krise des Musikunterrichts hat ihre Ursache nicht darin, dass sich die Jugend nicht für Musik interessiert, im Gegenteil, Musik ist das wichtigste im Leben der Jugendlichen. Das war vielleicht schon in der Steinzeit so, heute ist es sicher so.

Merkwürdig findet Pantalone, dass es Leute gibt, die denken, die Musik sei auf die Schule angewiesen. Es mag paradox klingen, aber der Jugend ist die Musik so wichtig, dass sie es nicht erträgt, wenn die Schule sich anschickt, sie für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Pantalone ist überzeugt: so wichtig es ist, dass die Musik ihren Platz in der Primarschule hat, für SekundarschülerInnen muss Musik neben der Schule stattfinden, im Kollegenkreis, in der Talent Night im Poco Loco, im Bandkeller, auch in den Musikschulen, aber nicht in der Schule.

Die Musikschule tut gut daran, sich von der Schule zu distanzieren. In der Musikschule passiert nicht das gleiche wie in der Schule. Deshalb sind auch private Musikschulen (z.B. die Basler Musikwerkstatt) so beliebt und so erfolgreich. Die pubertierenden Jugendlichen suchen Musik und sie suchen Menschen, die sie in die Geheimnisse der Musik einweihen, aber sie suchen das alles nicht in der Schule.

Vielleicht braucht die Schule die Musik, die Musik braucht die Schule nicht. Die Musik braucht auch keine Lobby, aber die Lobby braucht offenbar die Musik. Pantalone ist natürlich für die Initiative, aber Musik ist nicht primär ein Schulthema. Es geht um Menschen und um Musik. Die Musikausbildung, das Musizieren, das Musikhören kann und muss auch und vor allem ausserhalb der Schule massiv gefördert werden.

2 Gedanken zu „Die Musik braucht die Schule nicht“

  1. Herr Pantalone. Sony und Apple könnten Ihre Argumente gefallen: Die Jugend hat ja die Musik, lasst sie ihnen doch einfach! Learning by doing wenn’s um eigenes Musizieren geht? Kauf Dir mal’n Klavier und dann wird’s schon tönen? Na, das meinen Sie sicher nicht. Musikschulen kosten Geld. Ihr Angebot wird von vielen Kindern nicht genutzt, nicht finanzierbar. Die Musikschule ist auf die Schule als Partner angewiesen: Wie viele Kinder haben keine Ahnung vom musikalischen ABC, kommen in den Musikunterricht mit 10, 12 und haben kein Musikvokabular noch irgendwelche rationalen Strukturen. Die Initiative macht auch nicht alles besser. Aber sie gibt uns ein zusätzliches Mittel in die Hand, das wir im Kulturbereich brauchen können.

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