Hat das halbe Schweizer Kader innerlich gekündigt?

lachsfarben

Der Kadermarkt der Schweiz, „Alpha“, hat eine Umfrage zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz gemacht. Gemäss dieser Umfrage hat die Hälfte der Schweizer Kadermitarbeiterinnen und Kadermitarbeiter innerlich gekündigt. – Schock durchs Zwerchfell!

9 Prozent haben ihre Traumstelle, 31 Prozent leben mit schwankender Arbeitsmotivation, 8 Prozent erledigen Dienst nach Vorschrift, und: 53 Prozent haben innerlich gekündigt. Pantalone hat sich auch schon gedacht, dass viele Leute ziemlich unzufrieden aussehen. Aber wenn wirklich unser halbes Kader innerlich gekündigt hat, dann GUTE NACHT!

Zum Glück müssen wir das nicht so ernst nehmen: Wir haben es mit einer Online-Umfrage zu tun, die vom Stellenbund des Tages-Anzeigers und der Sonntagszeitung durchgeführt wurde. Teilgenommen haben also wahrscheinlich vor allem Stellensuchende. Der Anteil innerlich Gekündigter dürfte bei Stellensuchenden höher sein, als bei solchen, die keine Stellenanzeiger ansehen. Wir wissen auch nicht, wieviele Personen bei der Umfrage teilgenommen haben; wie repräsentativ sie ist.

Also: Ein kleines, schockierendes Stück Information auf dem Deckblatt eines Stellenbundes mit einer Auflage von einer knappen halben Million Exemplaren. Interessant, aber ohne Relevanz.

Ähnlich sind ja die kleinen Artikel, die am Anfang jeden Alphas stehen, verfasst von Beratern verschiedener Glaubensrichtungen. Auch diese Informationsstücke sind aufgrund ihres realsatirischen Potentials interessant, aufgrund ihres Informationsgehaltes jedoch ebenfalls eher irrelevant: „Auf den Arbeitsplatz kommt die Arbeit, an der wir gerade arbeiten, die wichtigsten Arbeitswerkzeuge und sonst nichts.“ erfahren wir zum Beispiel diese Woche.

Die Lachsfarbe des Alpha signalisiert Kompetenz („salmon-colored“ wie die Financial Times), aber Pantalone denkt, das Blatt wird nur von der Anzeigenverwaltung redigiert. Und das ist problematisch …

Das weiss auch der Redaktionsleiter des Wochenblatts für das Birseck und Dorneck. Beim Wochenblatt konnte man bisher immer ein Inserat und ein sogenanntes „Eingesandt“ zusammen abgeben. Beides wurde an den Redaktor geschickt, der das Eingesandt in die redaktionellen Spalten einfügte und das Inserat an die Inseratabteilung weiterleitete. Diese Praxis ist durchaus diskutabel, aber sie war eingeführt und die Spielregeln waren allseits bekannt.

Gestern teilte nun der Redaktionsleiter Pantalone mit, dass das „Eingesandt“ ab sofort „Text zur freien Veröffentlichung“ (TzfV) heisse. Er liess ihn wissen, dass Inserat und TzfV inskünftig an die Inseratabteilung zu adressieren sei, die den TzfV an ihn (den Redaktionsleiter) weiterleite, der ihn (den TzfV) – Pantalone vermutet: nach inhaltlicher Prüfung, Lektorierung, Korrektur und kompetentem redaktionellem fine-tuning – wenn möglich berücksichtigen werde. Wenn Pantalone kein Inserat und nur einen TzfV abliefere, könne er den TzfV direkt ihm (dem Redaktionsleiter) schicken, teilte er Pantalone auf Anfrage mit.

Im Gegensatz zum Alpha verwaltet inskünftig beim Wochenblatt also die Redaktion den Inhalt und die Inseratverwaltung die Inserate. Pantalone kann jetzt also, wenn er der Welt des Birseck etwas mitteilen will, einfach einen TzfV schreiben und diesen dem Redaktionsleiter zukommen lassen. Das lästige und teure Inserat kann er sich ab sofort sparen. Der Redaktionsleiter wird Pantalones TzfV nach Möglichkeit berücksichtigen. Er wird sich nicht von der Frage leiten lassen, ob Pantalone ein Inserent ist oder nicht. – Wunderbar!

Es wäre aber durchaus auch denkbar, dass die TzfV der grossen Inserenten auf jeden Fall berücksichtigt werden, die der kleinen Inserenten eventuell und die der Nicht-Inserenten eher nie. Das wäre dann wieder problematisch und ähnlich, wie beim Alpha. – Pantalone wird das im Auge behalten, oder er wird „dranbleiben“, wie die Mutter des Alpha sagen würde.

2 Gedanken zu „Hat das halbe Schweizer Kader innerlich gekündigt?“

  1. Ich mag solche Lebensweisheiten: „Auf den Tisch gehört nur das, woran du gerade arbeitest.“ Ich wusste das immer, hätte es aber nicht so gut formulieren können. Deshalb bin ich auch gegen Macs: Da ist einfach immer viel zu viel auf dem Arbeitstisch. Warum soll das nicht relevant sein?

  2. Solche „Lebensweisheiten“ gehören in die Kinderstube, nicht in die Zeitung. Solche Lebensweisheiten erfährt man von den Eltern, von der Grossmutter oder vom ersten Chef. Weisst du, lieber Wendok, was das ist: eine Kinderstube?

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