Hurra! Der Doktor Stutz ist wieder da.

Doktor Müller
Doktor Müller (Quelle: Sprechstunde Doktor Stutz)

Leute, die Schulhäuser bauen oder planen wollen, gehen zu Stücki. Pantalone macht sich da keine Illusionen und verfolgt keine me-too-Strategien. Er braucht andere heftige Themen. Der Beitrag letzte Woche über Beda M. Stadler hat ganz gute Quote gemacht. Weshalb? Stadler? Evolution? Schildkröten? Harndrang? Pantalone denkt, es war der Harndrang. Anschlussthema verzweifelt gesucht! Zum Glück traf Pantalone im Arcadia einen alten Freund und Realsatiriker: Dr. med. Samuel Stutz.

Also nicht persönlich, natürlich. Sie erinnern sich sicher, Doktor Stutz präsentierte früher die Ringier-Sendung Gesundheit Sprechstunde. Jetzt ziert sein Konterfei das Editorial einer eigenen, neuen Zeitschrift mit dem extrem innovativen Titel Sprechstunde Doktor Stutz.

Da kommt bei Pantalone Freude auf. Gebannt sass er einst vor dem Fernseher, wenn Doktor Stutz die geladenen Ärzte in ihre Schranken wies und sein unermessliches Wissen ausbreitete; und wenn er sensibel seine vergelsterten Muster-Patienten vorführte, und wenn er mit erhobenem Zeigefinger gegen Völlerei, Trunksucht und Nikotin-Benebelung wetterte; und sein stets freundschaftliches Verhältnis mit den Sponsoren. Kurz: ein richtiger Halbgott in Weiss. Und dann doch wieder so menschlich: immer an seinen Notizblättern klebend, bewusst auf ganze Sätze verzichtend und manchmal sogar richtiggehend stotternd.

Unvergesslich auch das Inserat im Media Trend Journal: Doktor Stutz, im weissen Kittel, ernst schauend, mit Rezeptblock: „Ich verschreibe Ihnen Werbung in der Zeitschrift Gesundheit Sprechstunde“. Und nun die neue, eigene, dicke Zeitschrift (Auflage: 400’000 Expl.!). Pantalone liest mit grossem Interesse den Artikel über Analhygiene: Titel: Bitte nicht schrubben!, Klopapier (auch weiches) bringt nichts, Feuchttüchlein bringen schon gar nichts. Das einzig empfehlenswerte ist das Duschklo. Neben dem Foto des blitzsauberen Dr. Andreas Müller, mit Latexhandschuhen und ausgestrecktem – nein, nicht Arschfinger – Zeigefinger natürlich, ein halbseitiges Inserat der Firma Geberit, wo man die Duschklos gleich bestellen kann.

Pantalone besucht die Homepage der Firma und errechnet, dass er in seine Analhygiene 6’000 bis 25’000 Franken investieren müsste. Inserate für Hakle (deinem Po zuliebe!) oder für Feuchttüchlein (z.B.: mit Kamille für die milde Intimhygiene) hätten Doktor Stutz und Doktor Müller sicher empört abgelehnt. Sie wären ja gezwungen gewesen, den Artikel völlig neu zu schreiben.

Es stellt sich die schwierige Frage: War zuerst der Artikel oder zuerst das Inserat? Lesen wir hier State-of-the-art oder State-of-the-Markt? Diese Frage wird wohl offen bleiben. Was Pantalone allerdings mit Sicherheit sagen kann: Die neue Zeitschrift würde sich inhaltlich hervorragend für die Analhygiene eignen, formal leider nicht, weil das Papier zwar extrem geduldig, aber überhaupt nicht saugfähig ist. Da loben wir uns die gute alte NZZ (Ausschliesslich formal natürlich).

P.S.: Die Firma Geberit ist überhaupt sehr rührig, im Punkt CH wurde am Donnerstag über eine Umfrage dieser Firma zum Thema Analhygiene berichtet: 80% der SchweizerInnen benutzen offenbar wohlriechende Feuchttüchlein. Pantalone machte ebenfalls eine kleine Umfrage. Das verblüffende Ergebnis: annähernd 100% benutzen Klopapier, 37% schrubben sogar gelegentlich. Wenn das Doktor Stutz und Doktor Müller wüssten!

P.S. 2: Schöne Nachricht für alle Doktor Stutz-Fans am Schluss: Hier kann man die ganze Zeitschrift online durchblättern und als PDF-herunterladen. – PDFs sind allerdings für die Analhygiene auf gar keinen Fall zu empfehlen. Viel zu virtuell! sagt Doktor Müller.

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