Pantalonisch Wilde

ankkarock

Nach dem Ankkarockfestival in Helsinki stürzte Pantalone in eine tiefe musikalische Krise. Vor allem nach dem Hardrock-Karaoke. Er wollte sich einfach nicht mehr anbrüllen lassen, wollte nicht mehr von kompakten Lärmblöcken zerquetscht werden. – Da kam zum Glück Wilde.

ahnfrau

Pantalone hatte genug von schwarzen Ahnfrauen

 pimmelkopf

und von kahlen Pimmelköpfen

 pink

in billigen pinken Raumpflegerinnen-Fummeln.

Das war nichts mehr für Pantalones reifes Ohr, für sein reifes Auge. Er reinigte seinen MP3-Player von den einst so geliebten Deep Purple, von Fridjid Pink und auch von Rory Gallagher. Mit diesen penetrierenden Kopfhörern lässt man sich ja sowieso auf ein sehr intimes Verhältnis mit der Musik ein. Pantalone will diese Rabauken nicht mehr in seinem Kopf.

Also rehabilitierte Pantalone Johnny Cash (nach Walk the Line auf dem Münsterplatz hörte er vor allem die Duette mit June Carter), der ist ja gar nicht so ein Country-Hudigäggeler, wie Pantalone immer meinte, er hörte Roli Frei und Soulful Desert, Eva Cassidy, Nora Jones. Und eben Wilde.

wilde

Pantalone hörte ihn in Radio X mit der Moderatorin schäkern. Pantalonisch: Sieht extrem reif und müde aus, ist aber noch voll lebendig, bunt, frech, und lasziv. Pantalone hat also sofort die CD A Drug for Every Pain bestellt CHF 22.– bei www.wildemusic.ch. Innert 48 Stunden war sie da. Pantalone hat sie reingezogen und sie versöhnte ihn sofort mit der Popwelt. Wenn ein ehemaliger DRS3-Musikredaktor eine CD einspielt, dann ist das ja im Prinzip, wie wenn ein Gefängniswärter ins Gefängnis geht oder ein Zahnarzt zum Zahnarzt: Ihm fehlt die Gnade der Naivität. Er weiss, was alles schief gehen kann. Er muss allerhand Druck aushalten. Aber einen Wilde scheint das nur stark zu machen. Und auch seine Kollegen Jappert, Leupin und Fürst machts offenbar kein bisschen nervös. Moser möchte ich übrigens ein ganz spezielles Kränzchen winden: Ich liebe No Tears for Me: Es spricht den Iren in mir an. Aber alle Titel sind potentielle Hits. Eingängig komponiert, abwechslungsreich arrangiert, exzellent produziert, präzis gespielt. Das wäre sogar etwas für Radio Argovia und Konsorten. Und das soll ein zusätzliches Kompliment sein! 

Ja, und was gibt die CD poetisch her? Viel. Sie ist ganz schön ironisch, fast satirisch, das merkt man schon am Titel. Und dann gibt es so merkwürdige Untertöne: zum Beispiel, wenn Wilde einer Dame mitteilt, er erwarte nicht complete surrender. Ob ihm das wohl jemand angeboten hat? Und natürlich gefällt mir der pantalonische Mut zum Schmalz: she is very nice she got psychedelic eyes, oder like the river flows to the sea you will always find me, und dann natürlich, extrem pantalonisch, fast schon joecockerisch: just for a change I want you to undress.

Kurz: Wildes neue CD A Drug for Every Pain war Balsam in Pantalones hardrock-malträtiertes Ohr. Kleiner Wermutstropfen: auch dieser Wilde hat so einen kahlen Pimmelschädel. Aber die neue CD, wie gesagt, voll pantalonisch.

Ein Gedanke zu „Pantalonisch Wilde“

  1. Nachdem ich mein Gehör wieder aus der Rehaklinik anholen konnte und nun endlich wieder meinem geliebten IPod-Liedgut lauschen kann, kann ich mich zu diesem Ententanz Festival auch mal äussern. Der Lärmpegel war unglaublich, aber unter der unglaublich heissen Sonne (30 Grad) Helsinkis haben Pantalone, Lelio & ich auch ein paar unglaublich tolle Künster und Bands geniessen dürfen. Die Ballerina der Rockmusik Maija Vilkkumaa hat uns, bei ihrem letzen Konzert für dieses Jahr zum Beispiel, eine Stunde voller Unterhaltung und toller Songs geschenkt. Die Poeten des Herbstes haben ausserdem allen gezeigt, dass neben ihrer 2. CD „Carnival Of Rust“ auch ihre Live-Performances exzellent sind. Und ausserdem ……. ja Hanoi Rocks gibts noch. Wir haben Beweisfotos. Nach dem tragischen Tod ihres Schlagzeugers Nicholas „Razzle“ Dingley im Jahre 1984 hat sich die Originalformation aufgelöst. Aber seit 2002 rocken Andy McCoy und Michael Monroe wieder mit 2 neuen Mitgliedern in Hanoi =)

    Wildes CD konnte ich leider noch nicht anhören, werde dies aber sobald asl möglich nach holen, wenn hier so ausgiebig von ihm geschwärmt wird.

    Nun, noch ein bisschen Werbung meinerseits für ein paar talentierte Jungs aus Tampere. Das neue Album von NEGATIVE steht in 3. Wochen, zumindest in Finnland, in den Läden. Auf meine Anfragen, ab wann man die neue NEGATIVE Single „Planet Of The Sun“ auf VIRUS, DRS 3 & Co. zu hören kriegt, habe ich immer die Antwort gekriegt, dass die Musik nicht ins schweizerische Radio der neuen Generation passt. Aber wirklich gute Musik war ja noch nie Radio tauglich, da sie nicht in den Mainstream und die „bünzligen“ Sendungen, der Schweizer Radiosender passt. Gerade deshalb reinhören, es könnte sich lohnen =)

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