Kleiner Krimi, grosser Krimi, Thriller

zeugePantalone widmet sich heute wieder einmal dem Fernsehkrimi. Da wäre zunächst einmal der kleine Fernsehkrimi. Er dauert 30 bis 60 Minuten. Im kleinen Krimi löst meist ein männlicher Kriminalist einen Fall. Pantalones momentane Lieblingskurzkrimiserie ist „Der letzte Zeuge“, zehn Jahr alt, mit dem Gerichtsmediziner Dr. Robert Kolmaar (Ulrich Mühe), der Gerichtsmedizinerin Dr. Judith Sommer (Gesine Cukrowski) und dem Kommissar Joe Hoffer (Jörg Gudzuhn). Die Serie läuft zur Zeit auf SF1, jeweils am Dienstag um Mitternacht. Das attraktive am kleinen Krimi ist das Rätsel, das der meist männliche Kriminalist zusammen mit dem Publikum löst. Das reicht für den kleinen Krimi.

Der grosse Fernsehkrimi dauert 90 Minuten. Früher wagte das nur der Tatort, aber das Format wird immer populärer. Im grossen Krimi löst ein Kriminalist oder eine Kriminalistin mit einem Team einen Fall. Die grossen Krimis sind manchmal ganz schön langweilig. Hier reicht es nicht, dass die Kriminalistinnen zusammen mit dem Publikum ein Rätsel lösen. Der lange Krimi muss auch ein Thriller sein.

Was ist der Unterschied zwischen Krimi und Thriller? Im Krimi löst die Kriminalistin in aller Ruhe ein Rätsel, sie ist nicht in Gefahr. „Miss Marple trägt keine Pistole“ sagt Ken Follett. Im Thriller hingegen ist eine Person in höchster Gefahr, idealerweise die Ermittlerin, oder (in letzter Zeit sehr beliebt) die Tochter des Ermittlers. Ken Follett sagt, dass man im Thriller eine sympathische Person in höchste Gefahr bringen muss. Die Konstellation, in der sich die Hauptperson befindet, muss derart beschaffen sein, dass sie dem Autor mindestens fünfzig gefährliche Situationen ermöglicht, sagt Follett, aber der denkt immer an Bücher mit mindestens 800 Seiten. Für den grossen Fernsehkrimi dürften etwa zehn bis fünfzehn gefährliche Situationen reichen, aber mit weniger wirds dürftig. Wenn die Hauptperson „fear“ (Angst) empfindet, empfindet das Publikum „anxiety“ (Sorge?). Es bleibt dran, bis die Gefahr gebannt ist.

Die Geschlechterquote ist übrigens nicht unbedingt der Grund, weshalb wir im grossen Krimi immer öfter mit KriminalistINNEN ermitteln; es könnte sein, dass das Publikum Damen einfach sympathischer findet und ihnen mehr Mitleid spendet, wenn sie in Gefahr geraten. Als reine Rätsellöser (im kleinen Krimi) zieht das Publikum offenbar immer noch Männer vor.

Im Idealfall beginnen übrigens das Rätsel und die Gefahr ganz am Anfang und sie enden erst ganz am Schluss. Rätsel und Gefahr sind für den Thriller-Krimi wie Butter und Salz fürs Essen, sie garantieren, dass der Teller leer gegessen wird.

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