Pantalones Gewissen

maskep

Warum würde Pantalone im Tram nie schwarz fahren? Weil es verboten ist? Weil es peinlich wäre, erwischt zu werden? Weil es 80 bis 100 Franken kosten könnte? – Weit gefehlt! – Kürzlich zeigte ein Selbstversuch, dass es nicht die gesetzgeberischen Massnahmen sind, die Pantalone dazu veranlassen, eine Fahrkarte zu kaufen, sondern einzig und allein sein persönliches Gewissen. Das kam so …

Familie Pantalone bestieg beim Theater Basel das Tram. Pantalone und Lelio hatten ein Abonnement, die Signora brauchte eine Einzelfahrkarte. Pantalone hatte das Münz dafür schon in der Hand. Leider konnte er – wahrscheinlich aufgrund der Bauarbeiten – nirgends einen Fahrkartenautomaten ausmachen. Und das Tram nach Venedig nahte. Familie Pantalone stieg ein, ohne Fahrkarte.

Der Signora und Lelio war das egal. Sie dachten aber, dieser gesetzlose Zustand könnte Pantalone vielleicht nervös machen. Deshalb schlug die Signora vor, Pantalone könnte bei der nächsten Station aussteigen und ihr ein Ticket besorgen, Lelio wollte die Türe blockierte, damit das Tram nicht davonfahren konnte. Pantalone zögerte, denn vielfältige Gedanken gingen durch seinen Kopf. Auf sich allein gestellt, hätte er ja anders gehandelt: Er wäre so lange durch die Stadt geirrt, bis er einen Fahrkartenautomaten gefunden hätte und wäre erst ins Tram nach Venedig gestiegen, wenn er eine Fahrkarte gehabt hätte. Ein Vorgehen, dem die Signora und Lelio – nicht nur angesichts des Regens und der Kälte – niemals zugestimmt hätten.

Aussteigen und eine Karte besorgen wollte Pantalone allerdings auch nicht. Einerseits fand er das peinlich und es konnte leicht zu einem Konflikt mit dem Fahrer führen, andererseits wäre es mit einer körperlichen Anstrengung verbunden gewesen, die er nicht auf sich nehmen wollte. – Und in diesem Moment nun sprach das Gewissen zu Pantalone. Es sagte: Nur keine übertriebenen Aktivitäten. Du hattest keine Möglichkeit eine Karte zu lösen. Euch fehlt zwar eine Fahrkarte, aber dennoch seid ihr im Recht.

Und damit verlor Pantalone jegliche Nervosität. Sein Gewissen sagte: Du bist im Recht! Und das hätte er auch jedem Kontrolleur gesagt. Und der Kontrolleur wäre im Unrecht gewesen. Und wenn er auf seinem Unrecht beharrt hätte, dann hätte ihm Pantalone auch die 80 Franken bezahlt und es wäre ihm überhaupt nicht peinlich gewesen. – Da er mit seinem Gewissen im Reinen war, hätte er es gut ausgehalten, mit einem Kontrolleur im Unreinen zu sein. Und so fuhr Familie Pantalone teilweise schwarz nach Venedig. – Ist nämlich immer noch ganz schön wichtig, das persönliche Gewissen …

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