Persönliches Benchmarking

Wer bin ich? Wo stehe ich? Wieviel Prozent der Menschheit sind hilfsbereiter als ich? Wieviel Prozent sind weniger kreativ? Bin ich dankbar? Weiss ich genug? – (Falls du nicht weisst, was benchmarking ist, hier klicken.) Facts füllt das Sommerloch mit der Frage nach dem Ich. Ausgabe vom 22. Juni, okay, ich bin nicht topaktuell, aber ich brauche manchmal ein paar Tage, bis ich realisiere, dass mich ein Thema interessiert. Nach dem Hinweis von Facts habe ich jetzt den Big-Five-Test gemacht (Pantalone ist ein O_90-C_2-E_37-A_69-N_66 Big Five Persönlichkeitstyp! – Und drei Tests des Psychologischen Instituts der Universität Zürich (Pantalones Lebensfreude ist gross, er hält sich für kreativ und humorvoll, seine Bescheidenheit ist sehr klein. – Natürlich!).

Der Facts-Artikel ist erwartungsgemäss weder erhellend noch erschöpfend. Hier ein paar Ergänzungen: Pantalones Persönlichkeit nach Myers/Briggs ist ESFJ. Ich habe mich vor ein paar Jahren auch ins Enneagramm eingearbeitet. Pantalone ist ein Vierer. Eine weitere Möglichkeit bietet Grundformen der Angst von Fritz Riemann, er definiert vier Angsttypen (die schizoide, depressive, zwanghafte und hysterische Persönlichkeit). Dann gibt es natürlich noch den Politischen Kompass, wo ich Pantalones soziale und ökonomische Ausrichtung erfuhr (Beides weit im positiven Bereich.). Bei Myers/Briggs und Riemann gibts 4 Merkmale, bei den Big Five 5, beim Enneagramm 9. Im Prinzip aber reichen drei: rot, blau und grün …

Rot, Blau und Grün …
(aus Pantalones zukünftigem Roman Daniel – in Arbeit)

Ich habe mit Amadeus eine Arbeitsbeziehung. Dass wir Freunde sind, würde ich nicht sagen. Dazu sind wir zu verschieden. Nun ja, vielleicht sind wir doch Freunde, aber ich würde ihn zum Beispiel nie auf einen Segelturn mitnehmen. Wenn wir so eng zusammen wären, könnte das sehr konfliktträchtig werden, denke ich. Ich bin ein Roter, durch und durch. Sehen Sie nur mal meine Hände an, wie Schaufeln. Und Amadeus ist ein Blauer. Wir treffen uns über den Grünanteil, wir haben zum Glück beide einen recht grossen Grünanteil. Ich habe diese Farbenlehre aus einem Verkaufsseminar. Wenn dein Kunde ein Roter ist, musst du ihn anders behandeln, als wenn er ein Blauer oder ein Grüner ist. Die Roten sind immer vorn, die kämpfen sich durch. Die Blauen denken fortwährend. Die analysieren alles und wissen immer genau, was zu tun ist. Die Grünen hingegen sind eher diese gesellige Leute, sie sind gern mit Menschen zusammen und lieben die sinnlichen Genüsse. Man kennt sie am dicken Bauch. Den drei Typen musst du als Verkäufer verschieden begegnen. Beim Roten musst du gar nicht viel sagen, der weiss was er will und was er nicht will, und wenn er nicht will, dann will er nicht. Beim Blauen musst du argumentieren, dem musst du ganz genau begründen, weshalb er deinen Staubsauger kaufen soll. Der stellt die ungeheuerlichsten Berechnungen über Saugkraft, Rendite und politische Korrektheit an. Dem Grünen aber musst du auf die Schulter klopfen, den musst du lieben, dem musst du ein Glas Wein zahlen. Und diese Dinge darfst du nie verwechseln: Wenn du einem Blauen auf die Schulter klopfst, dann lässt er sofort den Rolladen hinunter. Wenn du mit einem Roten über politische Korrektheit diskutierst, dann bist du nach zehn Sekunden draussen. Wenn du aber mit einem Grünen nicht plauderst, lange und über ganz persönliche Dinge, dann kannst du sein Vertrauen niemals gewinnen. Die grossen Tiere sind in der Regel natürlich die Roten, die steigen dank ihrer Aggressivität und Selbstsicherheit von selber hoch. Die Grünen werden manchmal von ihren Freunden hochgeschoben. Aber die Blauen machen sehr schwer Karriere: Sie wissen zwar ganz genau, wie alles gemacht werden müsste, aber sie haben zuwenig Power und zuwenig Freunde um an die entscheidenden Positionen zu gelangen; wenn sie es aber dann doch irgendwie schaffen, dann werden sie diese rechthaberischen Vorgesetzten, manchmal fast ein bisschen josephgoebbels­artig. Aber das darfst du keinem Blauen sagen, weil das überhaupt nicht politisch korrekt ist. Aber wie gesagt, Amadeus und ich, wir treffen uns im Grünanteil. Wir können zum Beispiel stundenlang in einem Strassencafé sitzen, und alle Leute um uns herum in Rote, Blaue und Grüne einteilen, und ihre individuellen Mischverhältnisse festlegen. Da sind wir dann beide sehr grün zusammen und wirklich schon fast Freunde. Und wir haben keine Geheimnisse voreinander, wir können über die persönlichsten Dinge reden. Zum Beispiel kann ich ihm meine ganze Lebensgeschichte erzählen. Erzählen ist grün, und ein bisschen rot noch. Aber Aufschreiben, das ist eindeutig blau. Und Vorlesen, das ist dann wieder grün. Mein Gott, was haben wir über diese Spezialsalbe gelacht. Aber die stammt jetzt zum Beispiel nicht aus meiner Biografie, diese Salbe ist erstunken und erlogen. Aber mir soll’s recht sein, mir ist fast wichtiger, dass die Geschichte gut tönt, als dass sie wahr ist. Keiner weiss, was diese Leute damals wirklich im Wald getan haben. Sie haben es niemandem erzählt, und sie selbst haben es vergessen, denke ich. Aber Amadeus ist der Meinung, dass die Geschichten gewissermassen an den Menschen und in der Landschaft hängen bleiben. Er riecht ein bisschen in den Wald hinein, redet ein bisschen mit den Leuten, und den Rest erfindet er schamlos dazu. Amadeus bildet sich ein, er könne meine Geschichte erinnern, er bildet sich sogar ein, er könne Dinge erinnern, die geschahen, bevor meine Geschichte überhaupt begann. Das ist nun wieder sehr blau.

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